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Medikamente – ein Teil der Gesundheitsversorgung

Medikamente sind ein kleiner, aber wichtiger Teil der Gesundheitsversorgung – auch in  armen Ländern. Dass viele unsinnige, wirkungslose oder gefährliche Arzneimittel in Ländern der Dritten Welt (Link zum Lexikon) beworben und verkauft werden, hat besonders tragische Folgen. Angesichts gravierender Gesundheitsprobleme und knapper Kassen ist es dort besonders wichtig, dass Arzneimittel gut wirksam und sicher sind. Daher sind Nutzen und Risiken von Arzneimitteln genau abzuwägen.

Hier findest du einen Leitfaden, der dir helfen kann seriöse von unseriösen Informationen zu unterscheiden.

Arzneimittel - Was ist wirklich unentbehrlich?

Medikamente dienen aber oft mehr dem Geschäft als der Gesundheit. Es ist paradox: Während in vielen Ländern der Dritten Welt (Link zum Lexikon) Hunderte von unwirksamen, unsinnigen oder sogar gefährlichen Medikamenten angeboten werden, mangelt es dort gleichzeitig an der Grundversorgung mit notwendigen, bewährten und lebensrettenden Arzneimitteln.

In wohlhabenden Ländern dagegen, wie z.B. in Deutschland oder in den USA schlucken die Leute viel zu viele Arzneimittel. Mehr als 85% der Menschen weltweit haben keinen oder keinen ausreichenden Zugang zu Medikamenten. Noch immer konsumieren heute die reichsten 15 Prozent der Welt über 90 Prozent aller Meidkamente, während in Armut lebende Menschen in Entwicklungsländern keinen Zugang zu bezahlbaren Medikamenten haben.

Zudem geraten gerade in reichen Ländern Gesunde ins Visier der Pharmaindustrie. Kleinere Beschwerden oder sexuelle Probleme werden zu Krankheiten umdefiniert und ein „passendes“ Medikament als Lösung angeboten. Dabei brauchen wir diese sogenannten Life-Style-Medikamente eigentlich gar nicht.

Mangelversorgung im Süden - Überversorgung im Norden

WaageMangel und Überfluss - das sind zwei Kehrseiten einer Medaille. Die BUKO Pharma-Kampagne hat mit ExpertInnen aus dem Süden und Norden eine Bestandsaufnahme gemacht und über Perspektiven für die Zukunft diskutiert. Hier kannst du die Diskussionsbeiträge nachlesen.

 

Über 30 Jahre unentbehrliche Arzneimittel

Dieses Ungleichgewicht von zu viel Unnützem und zu wenig Unentbehrlichen kritisierte schon 1975 der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, Hafdan Mahler, (der früher selber als Arzt in Indien gearbeitet hatte) im Weltgesundheitsbericht und formulierte mögliche Ansätze für eine neuen Arzneimittelpolitik. Um dem abzuhelfen, veröffentlichte die WHO 1977 die erste Modelliste unentbehrlicher Arzneimittel (Link zum Lexikon), die sogenannte „Essential Medicines List“ (EML). Die darin verzeichneten ca. 300 Medikamente reichen aus, um die allermeisten Krankheitsfälle zu behandeln.

Was sind unentbehrliche Arzneimittel?

Unentbehrliche Arzneimittel sind diejenigen, die die Grundbedürfnisse der Bevölkerungsmehrheit befriedigen. Sie sollten deshalb immer in angemessener Menge und geeigneten Darreichungsformen zur Verfügung stehen. Die Notwendigkeit der Arzneistoffe wird nach verschiedenen Kriterien beurteilt: Medizinisch-pharmakologische Gesichtspunkte wie der medizinische Nutzen, Qualität und Haltbarkeit eines Mittels sind ebenso entscheidend wie der Ausbildungsstand und Erfahrungsschatz des medizinischen Personals, finanzielle Mittel der Betroffenen und eine Kosten-Nutzen Abwägung. In regelmäßigen Abständen wird die Liste aktualisiert, weil neue wichtige Medikamente entwickelt wurden oder weil neue Krankheiten dazu gekommen sind.

In den vergangenen 25 Jahren hat sich die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel zu einem wertvollen und wirksamen Instrument für eine bessere Medikamentenversorgung vor allem in der Dritten Welt entwickelt. Ihr Anspruch ist es, „ein gemeinsamer Nenner von Grundbedürfnissen“ zu sein, auch wenn die Interpretation, was unentbehrlich ist, in die nationale Verantwortlichkeit fällt. Jedes Land sollte auf dieser Grundlage seine eigene nationale Liste unentbehrlicher Arzneimittel erstellen - je nach den vorherrschenden Gesundheitsproblemen, wirtschaftlichen Verhältnissen und organisatorischen Möglichkeiten.

Mittlerweile gibt es in 156 Ländern der Erde eine Liste der unentbehrlichen Arzneimittel, wobei Deutschland nicht dazu gehört. Damit soll ein rationaler Arzneimittelgebrauch gefördert werden.

Die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel ist ein wichtiges Instrument, um einen vernünftigen Arzneimittelgebrauch zu fördern. Was passiert in anderen Ländern? Wie arbeiten Organisationen mit dieser Liste und mit welchem Erfolg? Hier kannst Erfahrungsberichte aus anderen Ländern nachlesen.